
Wir schreiben das 17. Jahrhundert ... - und verfolgen das Schicksal eines besonderen Schiffbrüchigen, der das Glück(?) hat, auf einem Schiff zu stranden. Ecos Roman ist aber natürlich nicht ein purer Abenteuerroman sondern zugleich auch philosophische und naturwissenschaftliche Betrachtung des europäischen frühen 17. Jhd. Das Buch gliedert sich im Prinzip in drei Teile.Zunächst wird von Robertos Schiffbruch berichtet, es gibt montageartige Rückblenden auf sein bisheriges Leben und Erleben. Zugleich wird Roberto nach und nach bewusst, das er nicht allein auf dem Schiff ist.Er begibt sich auf die Suche nach dem Verborgenen und findet einen alten Jesuitenmönch auf der Suche nach einer Methode zur Bestimmung des festen Punktes, der eine zuverlässige Berechnung der Längengrade auf See ermöglichen würde. Im zweiten Teil entwickelt sich eine Mentor-Schüler- Beziehung zwischen beiden. Nach dem Tod des Paters (dritter Teil) flüchtet Roberto sich in die Welt eines selbst verfassten Romanes und hält philosophierende Monologe, um der Einsamkeit zu entfliehen. Der Roman ist also auch die Geschichte der Entwicklung der Persönlichkeit des Roberto, der aus einer überschaubaren italienischen Provinz in eine für ihn viel zu komplizierte Welt gerät, die kaum irgendwelche Gewissheiten zulässt. Insofern gibt es Paralelen zum Foucaultschen Pendel, in dem sich die Protagonisten aus einer unüberschaubaren Realität in eine Scheinwelt flüchten, die dem logisch orientierten Verstand ein zumindest zeitweiliges Überleben sichert.Der Schreibstil des Erzählers ist gewollt distanziert, ein Spiel mit den Erwartungen des Lesers. Alles in allem ein schwieriges Lesevergnügen, das sich bei mir erst beim zweiten Lesen so richtig eingestellt hat.Aber definitiv kein vollendetes Meisterwerk wie der Name der Rose.
Interessant- mehr nicht - Ich würde Die Insel des vorigen Tages nicht unbedingt als erstes nennen, würde ich nach meine Lieblingsbüchern gefragt. Es stört mich nicht, dass Eco Liebe zum Detail zeigt- nein ganz im Gegenteil, aber er verliert sich leider manchmal in Haarspalterei. Wobei dieses Werk einen interessanten Zeitvertreib darstellt, traurigerweise aber auch nicht mehr. Das Buch wirkt nicht in dem (wunderbaren) Sinne distanziert geschrieben wie z.B. Baudolino oder das Pendel, sondern diesmal etwas unglücklich emotionslos. Somit wird die von Eco generell verlangte Aufmerksamkeit des Lesers teilweise etwas überstrapaziert. Doch es liegt mir fern diese Werk in der Luft zu zerreissen. Trotz des Levels, den die Insel im Vergleich zu seinen Vorgängern und Nachfolgern hat, besitzt die Handlung die typische zeitversetzte Stringenz und abschnittsweise sehr spannende Wendungen. Zusätzlich würde ich auch den Blick in Roberto s seelische Abgründe als sehr gelungen einstufen.
Ein typischer Eco - und doch nicht - Man lernt wie immer viel über die Vergangenheit bei der Lektüre dieses Ecco, aber nicht wie im Namen der Rose vor allem auf den ersten 100 Seiten, durch die man sich als Laie durchkämpfen muß (oder die man überspringt), sondern handlich in kleine Pakete verpackt, die die Handlung verlangsamen, aber nicht ausbremsen. man hat das Gefühl, man ist in Echtzeit dabei, wenn Roberto auf dem Schiff festsitzt und philosophiert. Sehr raffiniert zieht sich der Autor aus der Affäre, wenn die Handlung und ihre Hintergründe zu langatmig zu werden drohen, indem er selber als Autor zum leser spricht und sich rechtfertigt, warum etwas passieren mußte oder eben nicht. Einer der besten Eccos, aber nicht der beste (für mich Baudolino oder das Pendel - da kann ich mich nicht entscheiden). Einen Stern extra müßte es für die Übersetzung geben, ich kann mir nicht mal vorstellen, daß es jemanden geben kann, der so gut Italienisch UND Deutsch kann!
Schwierig schön! - Roberto de la Grive, Abkömmling eines heruntergekommenen lombardischen Adelshauses, landet als einziger Überlebender eines Seeunglücks und Schiffbrüchiger auf einem verlassenen Schiff (!) vor einer unbewohnten Insel, von der ihn nicht nur die Datumsgrenze trennt, sondern auch die Tatsache, daß er nicht schwimmen kann.Er war im Auftrag des französischen Hofes unterwegs, um diese Datumsgrenze ausfindig zu machen, Mitarbeiter eines weltumspannenden Konkurrenzprojektes, das der Bestimmung der Längengrade diente. Was so selbstverständlich erscheint, war bis ins 18. Jahrhundert hinein ein gravierendes Problem: Die Schiffe der Entdecker fuhren ins Blaue hinein über die Ozeane, sie wußten zwar, in welchen Breiten sie sich befanden, aber nicht wie schnell oder langsam sie auf ihren Reisen vorankamen!Roberto ist ein sperriger Protagonist, ein Feigling und Dummkopf mit Neigung zu Paranoia und Wahnvorstellungen. Die Entdeckung, daß er auf diesem Schiff, auf dem sich ein Raum mit Vögeln und ein anderer voller Uhren befinden, nicht allein ist, versetzt ihn in Panik.Der Leidensgenosse, Pater Caspar Wanderdrossel, ebenfalls ein Nichtschwimmer, klärt ihn über die Geschichte des Schiffes - Daphne - und seiner Mannschaft auf: Die Mannschaft habe nach ihrem Eintreffen mit allem wichtigen Werkzeug auf die Insel übergesetzt und sei dort von Wilden niedergemacht worden.Roberto versucht, sich das Schwimmen beizubringen, aber es gelingt ihm nicht. Sodann entsinnt sich Wanderdrossel der Zeichnung einer Taucherglocke, die er irgendwann irgendwo in einem Buch gesehen haben will, und spekuliert darauf, daß er mittels diesem Instrument auf dem Meeresgrund zur Insel wandern könne, um das Werkzeug zurückzubringen, die beiden basteln sich diese Taucherglocke, Wanderdrossel steigt mit ihr ins Meer und verschwindet.Alleingelassen verlegt sich Roberto darauf, einen Roman über sein Leben und das seiner verwegensten Wahnvorstellung, eines imaginierten dunklen Zwillingsbruders namens Ferrante, zu entwickeln, der seinem Schicksal einen Sinn geben soll, zugleich versucht er es nochmals mit dem Schwimmen.Die Welt des Roberto de la Grive ist ein Kaleidoskop des 17./18. Jahrhunderts, Erinnerungen mischen sich mit Wunsch- und Wahnvorstellungen eines überreizten Gemüts. Dazwischen vermittelt Eco über einen Erzähler geschickt Wissen und Aberglauben dieser Zeit, macht vor keinem noch so absurden oder schrecklichen Detail Halt.Der Stil ist geradezu pompös, angelehnt an die selbstverliebte Sprache dieser Zeit läßt er seinen Erzähler Robertos Leben anhand (fiktiver) Dokumente erzählen, über dieses Leben räsonnieren ebenso wie über die damalige Zeit. Realität und Fiktion verweben sich zu einem Gemisch aus historischer Realität, fiktiver Realität und fiktiver Fiktion - eine derart kunstvolles Rezept, deren Zusammensetzung und Verarbeitung bislang nur einem Umberto Eco zu Gebote steht. Der Roman ist gespickt mit Zeichen, Symbolen, Metaphern, Anspielungen, Verweisen etc., unkommentiert, parodiert, ironisiert, verfremdet etc., und das ohne daß es sich der Autor an irgendeiner Stelle dem Leser gegenüber raushängen ließe, um wie viel intelligenter, klüger, gebildeter er doch sei. Eco gönnt einem den Spaß des Wiedererkennens von Motiven, weckt den Wunsch danach, es nicht nur einmal zu lesen, sondern wieder in die Hand zu nehmen, auf die Suche zu gehen, die Spurensuche nach der Entwicklung unserer heutigen Weltanschauungen.Die Sprache hat eine sonderbare Sogwirkung, sobald man beginnt, sich an ihrem Zeichenkodex entlangzuhangeln, was voraussetzt, daß man sich auf diese Art des Sprechens - denn er erzählt diese Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes! - einläßt.Selbstverständlich könnte man den Plot auf 50 Seiten oder gar weniger straffen. Selbstverständlich braucht es die geschwätzige, pompöse Sprache nicht, um eine Geschichte über die Bestimmung der Längengrade zu schreiben - das hat Dava Sobel mit Längengrad längst bewiesen. Aber Sobel liefert bei aller Gelehrtheit nur das naturwissenschaftliche Detail aus dem konfusen Konglomerat aus Wissenschaft und Weltanschauung einer Zeit, für die die Figur des Roberto de la Grive ein pefekter Repräsentant ist.
Sicher nicht der beste von Eco, aber lesenswert - Eigentlich wäre das Buch nie in meinen Bücherschrank gekommen. Ich habe ein Abneigung gegen Autoren, die historisch untermalte Romane schreiben, bei denen nicht ganz klar ist, was Tatsache und was Dichtung ist und dann hat das Buch auch noch über 500 Seiten. Na ja, eine Freundin hat mir das Buch geschenkt und irgendwann kam es mir in meinem NozuleBüStapel (Noch zu lesende Bücher) in die Finger. Es fing ganz nett an und ich hab dann einfach weitergelesen und war auch immer froh, wenn ich wieder Zeit fand, ein Stück mehr zu lesen. Die letzten 80 Seiten wurde die Geschichte dann aber für meine Begriffe etwas langatmig.Alles in allem, nett zu lesender Roman mit Einblicken in die Gedankenwelt des 17. Jahrhunderts. Wer historische Romane mag, findet hier ein paar Stunden anregenden Lesestoffs. Ich würde ihn wieder lesen.- 10 Sätze pro Buch sind genug -